Heinz Keller, der Chef der IBAarau AG, hatte am Freitag, 12. März 2010, seinen letzten Arbeitstag

Der Kraftwerkbrand von 1989, die Umwandlung in eine AG oder das Hochwasser von 2007 waren drei der prägenden Ereignisse, die Heinz Keller an der Spitze der IBAarau erlebt hat. Jetzt ist er nach 22 Jahren in den Ruhestand getreten.

 

HERMANN RAUBER, AARGAUER ZEITUNG

 

Der studierte Elektroingenieur ETH Heinz Keller trat sein Amt als Direktor der damaligen Industriellen Betriebe der Stadt Aarau am 1. April 1988 an. Die Region war dem gebürtigen Luzerner nicht fremd, arbeitete er doch 13 Jahre bei der Firma Sprecher + Schuh, wobei ihn der seinerzeitige Chef Adrian Roth für ein paar Jahre nach Brasilien schickte. Über die Stadtwerke Baden kam er zurück in die Kantonshauptstadt, der er bis heute treu geblieben ist und in der er auch seinen dritten Lebensabschnitt verbringen will.    

 

Der Kraftwerkbrand von 1989

Die Aarauer Versorgung mit Strom, Wasser und Gas steht heute «unternehmerisch gesund» da, allerdings «nicht ohne Baustellen», zieht Heinz Keller Bilanz an seinem letzten Arbeitstag. Der Einstieg war aber geprägt durch den Brand des Wasserkraftwerkes am 26. Mai 1989. Keller hatte an jenem Freitagabend Gäste im Haus, musste die Runde aber nach dem ersten Gang Hals über Kopf verlassen. Das Ereignis löste grundsätzliche Überlegungen zur Versorgungssicherheit aus und löste etappenweise Investitionen aus. Es war laut Keller ein «langfristiges Programm, das nur im Rahmen der Rentabilität finanziert werden konnte». Eckpfeiler waren Neubauten von Unterwerken in Buchs und Unterentfelden, die Umstellung des Stadtnetzes von 8,6 auf 16 Kilovolt und der Zusammenschluss des netzes mit den Verbundbetrieben NOK und Atel.    

 

Regionale Ausrichtung

Keller war aber nicht nur «Stromer», er beschäftigte sich auch mit der Lieferung von einwandfreiem Trinkwasser und der Modernisierung der Gasleitungen. Ein Unterfangen, das den regional denkenden Direktor in die umliegenden Gemeinden führte. Dass man mit der Arbeit des Werkes zufrieden war, zeigte sich 2009, als die Konzessionsverträge durch sämtliche Bezugsgemeinden ohne Murren verlängert wurden. Der Weg zu dieser Stabilität war nicht immer einfach. «Keiner der drei Bereiche hat über all die Zeit immer rentiert, es gab hin und wieder einen Taucher», resümiert Heinz Keller die Entwicklung, der die Probleme nie allein durch die technische Brille, sondern auch aus der betriebswirtschaftlichen Optik anpackte, was dem Unternehmen entscheidende Vorteile verschaffte.    

 

So kam ihm die Umwandlung des städtischen Werkes in eine Aktiengesellschaft – der IBAarau AG – anno 2000 entgegen. «Das erlaubte uns schnellere Entscheide», die von der Sache her der Logik folgten und nicht von parteipolitischen Überlegungen abhängig waren», sagt Keller, der durch die neuen Strukturen als Vorsitzender der Geschäftsleitung oder CEO firmierte.    

 

Mit der ihm eigenen Sorgfalt und dem Verständnis für die flussnahe Ökologie leitete Keller auch die Arbeiten für die Konzessionserneuerung des Aarekraftwerkes ein. Das Vorhaben erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und dürfte rund140 Millionen Franken kosten. Dank gutem Geschäftsgang gelang es, in den letzten Jahren zu diesem Zweck Reserven in der Höhe von 50 Millionen Franken zu bilden. Der Demissionär will in seiner Bescheidenheit aber «die Lorbeeren nicht alleine abholen», ohne den Einsatz der 270 Mitarbeitenden, unter ihnen auch 50 Lernende, hätte er seine Ziele nie erreichen können.    

 

«Doppeljubiläum» von 2009

Heinz Keller vergass aber auch nie die Kundschaft, die Leistungsbezüger, die dem Unternehmen zur Blüte verhalfen. So inszenierte er 2009 das heitere und publikumswirksame «Doppeljubiläum» 151 Jahre Gas und 149 Jahre Wasser in Aarau. Er brachte aber auch jenen trockenen Humor mit, der den Luzerner mit Aarau verbindet. Als sich nach einem Stromunterbruch eine Ehefrau über die Folgen (ein Abend ohne Fernsehprogramm, stattdessen mit einem Glas Wein mit dem Ehegatten) bedankte, meinte Keller: «Das können Sie auch einfacher haben, gibt es doch zu diesem Zwecke einen Schalter.»  

 

DER NACHFOLGER

Nachfolger von Heinz Keller an der Spitze der IBAarau AG ist Hans-Kaspar Scherrer aus Würenlos. Er hat Jahrgang 1962 und ist im Tösstal aufgewachsen. Nach dem Studium als Maschineningenieur an der ETH Zürich arbeitete Scherrer bei der ABB in Baden. Berufsbegleitend absolvierte er die Ausbildung zum Master of Business Administration der Universität Rochester in den USA. 2006 übernahm Scherrer die Geschäftsleitung der Andritz 3Sys AG, einer im Umweltbereich tätigen Anlagenbaufirma in Wohlen. Hans-Kaspar Scherrer ist verheiratet und hat drei Kinder im Schulalter. (HR)  

Autor: HERMANN RAUBER, AARGAUER ZEITUNG - Datum: 15.03.2010

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